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driven company'

ORC100011

Schumann Symphony No 3 LIVE
Dusseldorf Symphony Orchestra
Mario Venzago


ORC100011
Release Date: July 2010

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WARUM IST ES AM RHEIN SO SCHÖN?
SCHUMANNS “RHEINISCHE SYMPHONIE”

Im Rhein, im schönen Strome,
Da spiegelt sich in den Wellen
Mit seinem großen Dome
Das große, heil’ge Köln.

Ob diese Verse von Heinrich Heine in Düsseldorf gerne gehört werden, sei dahingestellt. Indes, auch Clara und Robert Schumann äußerten sich fasziniert über Köln und den Rhein, wie einer Tagebucheintragung Claras vom 29. September 1850 zu entnehmen ist: “Sonntag, den 29. fuhren wir zu unserer Zerstreuung nach Köln, das uns gleich beim ersten Anblick von Deutz aus entzückte, vor allem aber der Anblick des grandiosen Domes, der auch bei näherer Besichtigung unsere Erwartungen übertraf. Nach Tisch gingen wir auf das Belvedere, wo wir eine herrliche Aussicht auf den Rhein hatten, auch die sieben Berge, wo wir eigentlich noch hin wollten, liegen sahen.”

Warum es am Rhein so schön ist, war den beiden also schnell klar. Während Köln aber lediglich der “Zerstreuung” diente, wurde es in Düsseldorf ernst. Nur wenige Wochen zuvor, am 2. September 1850, waren die Schumanns an Roberts neuer Wirkungsstätte eingetroffen. Seine ersten Monate als Städtischer Musikdirektor waren in jeder Hinsicht von Optimismus geprägt. Er genoss das Ansehen und die sichere Stellung, die mit dem Amt verbunden waren. Zudem begeisterte ihn der Enthusiasmus des Publikums, ja, die rheinische Mentalität entzündete in ihm neue und lang entbehrte Lebensfreude. Zwar ergötzte sich auch Clara an dieser Mentalität. Dass sie aber zugleich gewisse Schwierigkeiten mit ihr hatte, offenbart das folgende Zitat: “Sonntag, den 20. Wir waren bei einem kleinen Souper noch sehr heiter, überhaupt sind die Leute hier immer lustig, wenn sie beieinander sind, was ich sehr gern habe, besonders fällt einem das heitere unge

zwungene Wesen der Damen auf, was wohl freilich auch zuweilen die Grenzen der Weiblichkeit und des Anstandes überschreiten mag.”

Robert seinerseits war inspirierter denn je und befand sich zunächst in einem wahren Komponierrausch, in dem auch seine Symphonie Nr. 3, die “Rheinische”, entstand. Gerade deren “lebhafter” Kopfsatz mit seinen treibenden Impulsen ist vielfach als Signal zum Aufbruch gedeutet worden. Und mit leuchtenden Farben und durchgreifender, sich gegen die Herrschaft des Taktes durchsetzender Bewegungsführung lässt sich gerade die Eröffnung des Werks auch als majestätischer, unbändig dahinfließender Strom (des Lebens) interpretieren. Warum es am Rhein so schön ist, berücksichtigte Schumann jedenfalls angemessen. Gleichwohl stammt der Beiname “Rheinische” vermutlich nicht von ihm selbst, sondern von seinem frühen Biografen Joseph Wilhelm von Wasielewski. Am 6. Februar 1851 hob der Komponist in einem Konzert des Düsseldorfer Allgemeinen Musikvereins die Symphonie erfolgreich aus der Taufe. In ihr dokumentiert sich der verheißungsvolle Auftakt seiner Düsseldorfer Zeit, der allerdings alsbald ins Gegenteil umschlagen sollte – denn weder sein Optimismus noch seine Erfolge am Rhein hielten lange an. Schon einen Monat nach der Uraufführung der “Rheinischen” setzten ihm erste negative Kritiken zu, die in allgemeines Missfallen einmündeten.

Was bleibt, ist eine enthusiastische rheinische “Nationalhymne”, die noch heute jeder gebührenzahlende Einwohner von NRW aus dem Fernsehen kennt – als Erkennungsmelodie der frühabendlichen Regionalnachrichten. In der vorliegenden Aufnahme spielt das einzige Orchester, das Schumann je als Chef geleitet hat: Die Düsseldorfer Symphoniker unter ihrem Schumann-Gast Mario Venzago.

Egbert Hiller


Schumanns Leben in Düsseldorf

Die Geschichte von Robert Schumann in Düsseldorf ist eine Geschichte, die kein eindeutiges Urteil zulässt. Eine Geschichte über Erfolg und Misserfolg. Sie erzählt davon, wie ein grüblerisches Musikgenie in knapp drei Jahren ein Drittel seiner Werke veröffentlicht, sich für die Kunstszene begeistert, Freunde findet, dann aber am so genannten rheinischen Gemüt und den Erwartungen scheitert und sich schließlich zerrüttet durch eine Nervenkrankheit das Leben nehmen will.

Schumann ist 40 Jahre alt, als er im September 1850 sein Amt als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf antritt. Dort ist er für Chor und Orchester verantwortlich und soll pro Saison zehn Konzerte und vier Kirchenmusiken für die Lambertus- und Maxkirche leiten. Für die weltlichen Konzerte stehen der “Cürtensche Saal” an der Bergerstraße und der Geislersche Saal an der heutigen Schadowstraße zur Verfügung. Schumann und seine Frau Clara ziehen mit ihren Kindern in eine Stadt, die sich gerade von den Unruhen der Revolution von 1848/49 erholt hat und beginnt, eine Großindustrie aufzubauen. Vor allem belgische Eisenunternehmer treiben die Entwicklung voran. 45000 Einwohner hat die preußische Provinzstadt zu Schumanns Zeit. Sie erstreckt sich im Norden bis dort, wo heute die Oberkasseler Brücke steht, im Süden bis zur heutigen Rheinkniebrücke, im Osten ist die Stadt durch Schloss Jägerhof begrenzt. 1854 genehmigt der preußische König einen Stadterweiterungsplan, der drei neue Stadtteile rings um den bebauten Kern vorsieht. Damit macht Düsseldorf den Schritt zur modernen Großstadt.

Die Begeisterung über den prominenten Musikdirektor ist in Düsseldorf zunächst groß. Auch Schumann schätzt die Anstellung, die ihm ein gesichertes Einkommen und einen festen

Wirkungskreis beschert in einer Stadt, die neben Leipzig und Berlin zu den wichtigsten Musikstädten Deutschlands gehört. Bereits vor Jahresende beendet er die Arbeit an der 3. Sinfonie. Für einen Naturfreund wie ihn ist Düsseldorf ideal, gilt es doch als “grüne Stadt” mit vielen Alleen und Promenaden. Schumann liebt es, durch den Ellerforst, den Bilker Busch oder den Grafenberger Wald zu spazieren. Stets in seinem wippenden Gang, weil er mit dem Ballen zuerst auftritt.

Doch bald schon zeigen sich erste Probleme, zunächst bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Mal ist die Wohnung zu laut, weil das Nachbarkind ständig auf dem Klavier klimpert oder die Straße gepflastert wird, mal wird das Haus verkauft. Mit der vierten und letzten Wohnung an der Bilker Straße trifft es Familie Schumann jedoch gut, weil sich die Bleibe über zwei Etagen erstreckt und Schumann und seine Frau üben können, ohne sich gegenseitig zu stören. Mehr noch als die Wohnungssuche belastet Schumann ein anderes Problem: Schon bald prallt er mit Chor und Orchester aufeinander. Diese sind überwiegend mit Laien besetzt und sehen im Musizieren eher ein Freizeitvergnügen. Schumann hingegen hat einen hohen Anspruch. Das Schwatzen und Plaudern während der Proben soll ihn wahnsinnig gemacht haben. Zudem vermissen die Musiker klare Ansagen, Schumann spricht leise und unverständlich. Er ist kein Mensch, der aus sich herausgeht. Stattdessen meidet er öffentliche Auftritte und pflegt einen unspektakulären Lebensstil. Schumann arbeitet bis in den frühen Abend, nur unterbrochen von Mittagessen und Spaziergang, liest dann bei einer Zigarre und einem Glas Bier die Zeitung, gerne auch in einer geschlossenen Gesellschaft, und kehrt gegen 20 Uhr nach Hause zurück. Für eine Anekdotensammlung taugt diese Lebensführung nicht.

Obwohl er ungern als Person des öffentlichen Lebens auftritt und dem rheinischen Vereinsleben wenig abgewinnt, so interessiert er sich doch für das kulturelle Leben der Stadt. Dieses ist bestimmt durch die “Köngliche-Preußische Kunstakademie”, die unter Wilhelm von Schadow zu Weltruhm gelangt ist (“Düsseldorfer Malerschule”). Schumann trifft Schadow mehrfach. Zugleich wird er Mitglied des “Malkasten”, einer freien Künstlervereinigung, die auch Nicht-Maler aufnimmt. Zuhause empfängt er befreundete Künstler und Musiker. Vom jungen Johannes Brahms ist er sogleich begeistert.

Ungeachtet der erfreulichen Erlebnisse in seiner Düsseldorfer Zeit werden die Konflikte mit Orchester und Chor immer stärker. Die Proben sind schlechter besucht, die Leistungen fallen ab. Die Verantwortlichen und das Publikum finden Schumanns Auswahl zu sperrig. Bereits 1851 vermerkt Schumann Zweifel an seinem Aufenthalt und sucht eine Anstellung in anderen Städten. Auch seine fortschreitende Nervenkrankheit und die Depressionen machen ihm zu schaffen. Hohen Tempi kann er nicht mehr folgen, er spricht langsamer. Rücktrittsforderungen aus dem Vorstand verletzen ihn, immer wieder fällt er für längere Zeit aus. Seine Frau schreibt bereits im April 1851 in ihr Tagebuch: “Übrigens bleiben wir nicht lange hier! So eine kleine Stadt ist doch nicht geeignet für einen bedeutenden Künstler zu bleibendem Aufenthalte.”

Lange geht das nicht mehr gut: Im Oktober 1853 kommt es zum Desaster. Weil Schumann für die Aufführung zum Patronatsfest in der Maxkirche nicht die Chorproben leiten darf – das übernimmt sein Stellvertreter Julius Tausch – wird die Vorstellung ein Debakel. Schon sucht man nach einem Nachfolger, Schumann gibt seine Dirigententätigkeit auf, bleibt aber im Amt. Im Februar 1854 wird seine manisch-depressive Krankheit stärker, Geräusche in seinem Kopf rauben ihm den Schlaf.

Am Rosenmontag des Jahres 1854 hält es Schumann nicht mehr aus. Niemandem fällt unter den Kostümierten der Mann in Schlafrock und Filzpantoffeln auf, der das Haus an der Bilker Straße verlässt und auf die Oberkasseler Pontonbrücke läuft. Dort stürzt sich Schumann über das Geländer in den Rhein. Ein Schiffer entdeckt ihn und zieht ihn zurück an Bord. Wenige Tage später lässt sich der Komponist in die Heil- und Pflegeanstalt in Endenich, das heute zu Bonn gehört, einweisen, wo er am 29. Juli 1856 stirbt. Seine Frau sieht er nur noch ein einziges Mal.

Sebastian Dalkowski

DÜSSELDORF SYMPHONY ORCHESTRA

The Düsseldorf Symphony Orchestra has a long and fascinating history. Such celebrated artists as Georg Friedrich Händel and Arcangelo Corelli already commenced work with the “Düsseldorfer Hofkapelle” at the electoral court. Many musicians at the Hofkapelle later left for Mannheim where the “Mannheimer-Schule” laid the foundations for today’s orchestral culture.

The first Music Directors in Düsseldorf included Felix Mendelssohn-Bartholdy (from 1833-1835) and Ferdinand Hiller (from 1847-1850) who were already highly acclaimed during their own lifetimes. It was Ferdinand Hiller that urged Robert Schumann (in Düsseldorf 1850-1854) to accept the position of Düsseldorf’s Music Director. It was of great importance to the city of Düsseldorf that it was able to persuade Robert and Clara Schumann, who were already regarded as world famous at the time, to remain in the city. In spite of his incurable disease, Schumann composed many of his best works here. It was the first and last time that Schumann held public office which meant that Düsseldorf – alongside Leipzig and Berlin – was regarded as one the most important cities of music in Germany at the time.

Over the following decades, the orchestra developed into one of the largest and leading ensembles in the country.

Heinrich Hollreiser was responsible for the orchestra’s reconstruction after 1945. He was followed in his position of General Musical Director by such famed conductors as Eugen Szenkar, Jean Martinon, Rafael Frühbeck de Burgos, Henryk Czyz, Willem van Otterloo, Bernhard Klee, David Shallon, Salvador Mas Conde and John Fiore. Since September 2009 Maestro Andrey Boreyko has been the Music Director of the Düsseldorf Symphony, as 17th successor to Robert Schumann.

The orchestra now carries the reputation of Düsseldorf as a city of culture around the world, performing 250 times a year and touring throughout Europe, China and Japan.

The orchestra’s recent recording of Strauss’ tone poem, “Also sprach Zarathustra”, was released to great critical acclaim. The orchestra’s discography also includes several Schumann works for EMI, and the production of concert and opera recordings by the Städtischer Musikverein in Düsseldorf.